Gebührenänderung ab 01.01.2012
Auszug aus dem Gießener Anzeiger vom 12.12.2011
Zweckverband Lollar-Staufenberg erhöht Wasserpreis
Erhöhung der Grundgebühr ab Januar - Abwassergebühren sinken - Geschäftsführer Jochen Becker zum Hintergund: Wasser sparen macht Wasser teuer
LOLLAR/STAUFENBERG ju). Die Verbandsversammlung des Wasser-Zweckverbandes Lollar-Staufenberg (ZLS) hat in ihrer jüngsten Sitzung in den Räumlichkeiten des ZLS im Sandweg in Lollar in ihrem neuen Wirtschaftsplan 2012 die Erhöhung der Grundgebühr auf 5,25 Euro beschlossen. Das entspricht einem Aufschlag von 0,14 Euro pro Kubikmeter. Aber er senkt dafür im Gegenzug die Schmutzwassergebühr um Minus 0,12 Euro je Kubikmeter auf 2,32 Euro. Außerdem sinkt die Niederschlagswassergebühr um 0,02 Euro je Quadratmeter auf 0,61 Euro.
Ende Januar eines jeden Jahres erfolgt die Zustellung der Bescheide über die Wasserbenutzungs- und Abwassergebühren des vergangenen Jahres zusammen mit der Berechnung und Bekanntgabe des Vorauszahlungsbetrages für das kommende Jahr. Grundlage sind die tatsächlichen Verbrauchszahlen der vergangenen zwölf Monate und die geltenden Gebührensätze für das laufende Jahr.
Bisher galt folgende Wassernutzungsgebühr: Für einen haushaltsüblichen Zähleranschluss von 5,0 cbm/h (5000 Liter pro Stunde) zahlte der Bürger 3,50 Euro Grundgebühr, 1,86 Euro pro Kubikmeter Frischwasserverbrauch zuzüglich sieben Prozent Mehrwertsteuer. Die Schmutzwassergebühr betrug 2,44 Euro je Kubikmeter und die Niederschlagswassergebühr betrug 0,63 Euro je Quadratmeter. Für die dem Zweckverband Lollar-Staufenberg (ZLS) angehörenden Städte Lollar und Staufenberg sowie die Gemeinden Wettenberg mit insgesamt neun Stadt- und Ortsteilen wird es für das Jahr 2012 eine neue Gebührenregelung geben, die bei den Wassergebühren folgende Änderungen nach sich zieht: Für den Zähleranschluss 5,0 cbm/h werden künftig 5,25 Euro Grundgebühr fällig, die Verbrauchsgebühr bleibt mit 1,86 Euro auf Vorjahresniveau. Im Gegenzug wurde die Schmutzwassergebühr von 2,44 Euro pro Kubikmeter auf 2,32 Euro pro Kubikmeter (ein Minus von 0,12 Euro pro Kubikmeter) und die Niederschlagswassergebühr von 0,63 Euro je Quadratmeter auf 0,61 Euro pro Quadratmeter befestigter Grundstücksfläche (ein Minus von 0,02 Euro pro Quadratmeter) gesenkt.
Der ZLS legte folgendes Gebührenaufkommen vor: 2011 im Bereich Abwasser 3 198 300 Euro - 2012 im Bereich Abwasser 3 360 300 Euro. 2011 im Trinkwasserbereich 1 640 190 Euro - 2012 im Bereich Trinkwasser 1 749 500 Euro. Insgesamt wären das für 2011 in beiden Bereichen 4 838 490 Euro und für 2012 in beiden Bereichen 4 815 000 Euro das wiederum würde eine Gebührenreduzierung 2012 von 23 490 Euro entsprechen. Am Ende steht für den Verbraucher eher eine, wenn auch moderate, Gebührenerhöhung von rund einem Euro im Monat ab 2012 an.
Die dritte Sitzung der Verbandsversammlung wurde vom Vorsitzenden Johannes Fuhrmann pünktlich eröffnet, wichtigste Punkte der Tagesordnung waren der Geschäftsbericht 2011 der vom Geschäftsführer des Zweckverbandes Jochen Becker vorgetragen wurde und der Wirtschaftsbericht 2012 sowie die anstehenden Änderungen zur Wasserversorgungs- und Entwässerungssatzung beides aus dem Jahre 2004.
Der Wirtschaftsplan mit Stellenplan zeigt eine ausgeglichene Bilanz im Erfolgsplan von 5 615 580, 06 Euro und im Vermögensplan von 3 142 360 Euro. Darlehen in Höhe von 459 000 Euro sind für Investitionen im Betrieb Wasserversorgung veranschlagt. Investitionen im Betrieb Abwasser und Kanal werden aus eigenen Mitteln getätigt. Kassenkredite wurden auf 50 000 Euro festgelegt. Die Verbandsumlage wurde auf 103,54 Euro pro Einwohnergleichwert (Wettenberg nur Ortsteil Wißmar) festgesetzt.
Im Stellenplan, der für zwei technische Stellen eine Umgruppierung in eine höhere Gehaltsstufe vorsah und eine kaufmännische Stelle dabei unberücksichtigt blieb, wurde auf Antrag der SPD die dritte kaufmännische Stelle bei der Umgruppierung mit hinzugenommen.
Geschäftsführer Jochen Becker legte einen sehr transparenten und umfangreichen Geschäftsbericht vor, in dem auch den Albtraum aller Wasserversorger nicht unerwähnt blieb, die Verkeimung im Trinkwasser. Im Januar 2011 hatte es auch den Zweckverband Lollar-Staufenberg erwischt, ausgelöst durch das Winterhochwasser kam es zu einer Vertrübung des Brunnenwassers in Mainzlar, die Bevölkerung musste das Wasser abkochen. Zwölf Tage brauchte man damals beim ZLS um Entwarnung geben zu können. Mit dem zusätzlichen Einbau von Trübungssonden soll in Zukunft noch schneller reagiert werden können. Bewährt hatte sich dabei auch die neu eingerichtete Homepage des ZLS, mehr als 2000 Zugriffe innerhalb kürzester Zeit wurden verzeichnet.
Neben einer ganzen Reihe von Investitionen waren die Erneuerungen des Lahndükers Ruttershausen-Kirchberg, bei der eine havarierte Wasserleitung mitten in der Lahn mit erheblichen, technischen Aufwand erneuert werden musste und die Erschließungsmaßnahmen „Am alten Bahnhof in Lollar“ besonders zu nennen. Dort wurden zudem zwei Staukanäle mit einem Vereinigungsbauwerk zur Regenrückhaltung gebaut. Becker berichtete von einer sehr guten Rohrbruchstatistik mit etwas mehr als 20 Rohrbrüchen pro Jahr unter dem statistischen Mittel für Hessen (32) und von einer sehr guten Wasserverluststatistik die ganz nahe am Ideal-Kennwert von 0,10 (kmxh) liegt. Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung lag bei einer Gesamtklärschlammenge von rund 2 500 Tonnen pro Jahr bei 1 460 Tonnen. In diesem Bereich wird über ein Verfahren der Stromgewinnung mittels „Faultürme“ nachgedacht, die man auch interkommunal betreiben könnte.
Starkregen und Trockenperioden, die Klimaveränderungen machen auch dem ZLS zu schaffen. In den Trockenperioden machen hohe Schmutzfrachtbelastungen, wenn der Regen wieder einsetzt, zu schaffen, und die Starkregen führen zu Schäden und Rückstauproblemen. Im Ausblick stellte Becker fest, „Wasser sparen macht Wasser teuer“. Rund 85 Prozent der Kosten für die Wasserversorgung seien Fixkosten. Die verkaufte Trinkwassermenge könne daher nicht alleine die entscheidende Kalkulationsgrundlage beim Wasser sein.
Beim Abwasser hätten sich die engagierten Bemühungen zur Betriebsoptimierung positiv ausgewirkt. Gegenüber 2011 ergebe die Umlagenberechnung (Jahreskosten im Abwasserbetrieb) für 2012 nochmals eine Senkung um über 81 000 Euro. Der Schuldenstand im Betrieb Abwasser von ursprünglich 14,56 Millionen Euro werde bis Ende 2012 komplett abgebaut sein.
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