Verbandsversammlung vom 27.10.2010
Auszug aus dem Giessener Anzeiger vom 30.10.2010
Nistkästen und mehr im Biotop Kläranlage
Beim Zweckverband Referat über ökologische Funktionen
LOLLAR (sl). Einen Vortrag über den „Lebensraum Kläranlage“ und dessen Umsetzung hielt Dipl. Ing. Frank Reißig vom Regierungspräsidium Gießen bei der Sitzung der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Lollar/Staufenberg (ZLS) im Schulungsraum der Betriebszentrale. Dabei sollen in enger Kooperation zwischen den Kläranlagenbetreibern, Ökologen und Behörden beispielhafte Konzepte des „Lebensraums Kläranlage“ entwickelt und umgesetzt werden.
Ein weiteres Ziel ist dabei, auch andere Kläranlagenbetreiber zur Nachahmung anzuregen. Finanziert wurden die Untersuchungen weitgehend vom Land Hessen. In Lollar wurde beispielsweise ein Steinwall und eine Wildblumenwiese angelegt. Auch die Reduzierung der Rasenflächen sowie die Gebäudebegrünung und das Anbringen von Nistkästen für Vögel gehört in dieses Programm. Neben Lollar war auch Lauterbach am Projekt beteiligt, das Reißig sehr erfolgreich nannte.
Dank sagte er Geschäftsführer Becker für die gute, aktive Mitarbeit. Reinhard Kuck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bechthold und Bechthold gab den Prüfungsbericht über den Jahresabschluss 2009 des ZLS. Dabei nahm die Verbandsversammlung die Umgliederung der als Sonderposten passivierten Kapitalzuschüsse des Landes Hessen für die Erweiterung der Kläranlage in Höhe von 3 956 848 Euro in die Kapitalrücklage zur Kenntnis und stimmte dem zu.
Beim Betrieb Wasserversorgung wurde der Jahresfehlbetrag 2009 von 29 904,31 Euro auf neue Rechnung vorgetragen, beim Abwasser erfolgte die Einstellung des Gewinns aus dem Vorjahr in Höhe von 58 834,52 Euro und eines anteiligen Jahresüberschusses 2009 von 41 165,48 Euro in die allgemeine Rücklage. Der restliche Jahresüberschuss 2009 von 99 109,34 Euro erfolgte als Vortrag auf neue Rechnung.
Beim Betrieb Kanal wurde der Gewinn aus dem Vorjahr von 58 834,52 Euro und eines anteiligen Jahresüberschusses 2009 von 41 165,48 Euro in die allgemeine Rücklage überführt. Der restliche Jahresüberschuss 2009 von 24 251,91 Euro erfolgte als Vortrag auf neue Rechnung. Becker sprach von einem gesunden Betrieb, bei allerdings wiederum gesunkenem Wasserverkauf, der weiter eine sinkende Tendenz aufweise.
Ebenfalls einstimmig beschlossen die Mitglieder den ersten Nachtrag zum Wirtschaftsplan 2010, der im Erfolgsplan unverändert einen Ertrag und Aufwand von jeweils 6 083 185,84 Euro ausweist, und im Vermögensplan Einnahmen und Ausgaben von jeweils 3 385 291,75 Euro.
Die veranschlagten Darlehen für Investitionen im Betrieb Wasserversorgung vermindern sich von 822 000 Euro um 305 000 Euro auf 517 000 Euro. In den Betrieben Abwasser und Kanal werden die Investitionen aus eigenen Mitteln ohne Darlehen finanziert.
Der nächste Tagesordnungspunkt beschäftigte sich mit der Vorlage der Kalkulation zukünftiger Grundgebühren. Dazu erklärte Geschäftsführer Becker, dass 80 Prozent der Kosten der Wasserversorgung Fixkosten seien, die man nur bedingt beeinflussen könne, da sie unabhängig von der Verbrauchsmenge sind. Bisher war die Kalkulation von der verkauften Wassermenge ausgegangen.
Um nicht ständig sinkende Wasserverkaufsmengen durch nachlaufende Erhöhungen der Benutzungsgebühren ausgleichen zu müssen, mittelfristig aber trotzdem eine stabilere Einnahme zu erzielen, hatte die Verbandsversammlung bereits in ihrer Sitzung im Dezember 2008 eine Erhöhung der Grundgebühren beschlossen. Damit wurde in einem ersten Schritt eine Annäherung der Gebühren an die tatsächliche Kostensituation vorgenommen.
Um weitere Schritte vorzubereiten, aber auch um auszuloten, bis zu welcher Höhe eine Anhebung der Grundgebühr möglich ist, wurde ein Büro beauftragt, eine auf die tatsächliche Kostenverteilung abgestimmte Kalkulation zu erarbeiten. Dabei stellten die von dem Büro erarbeiteten vorgelegten Berechnungen lediglich den Rahmen dar, in dem sich der ZLS bei künftigen Gebührenkalkulationen rechtssicher bewegen könne. Ein Beschluss wurde über die Grund- und Verbrauchsgebühren in der Sitzung nicht gefasst, vielmehr soll alles in der nächsten Sitzung beraten werden. Hans Fink wollte dabei wissen, welche Zahlen sich ergäben, bliebe es bei der alten Berechnung. Zur nächsten Sitzung werden sie ermittelt.
Auszug aus der Gießener Allgemeinen Zeitung
vom 29.10.2010
In den vergangenen Monaten ist Wasserverbrauch gesunken
Verbandsversammlung des ZLS zog Bilanz – Kalkulation für die künftigen Grundgebühren muss jetzt erarbeitet werden
Lollar/Staufenberg (lom). Neben der Vorstellung des Projektes »Lebensraum Kläranlagen« durch Frank Reißig (Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Gießen), wurde am Mittwochabend der Prüfbericht über den Jahresabschluss 2009 im Rahmen der Verbandsversammlungs des Zweckverbandes Lollar-Staufenberg (ZLS) unter der Leitung des Vorsitzenden Johannes Fuhrmann in der Betriebszentrale des ZLS in Lollar vorgetragen. Auch wurde dem Verbandsvorstand die Entlastung erteilt. Ebenso wurde über den Entwurf des ersten Nachtrags zum Wirtschaftsplan 2010 beraten und später auch so beschlossen. Da der Wasserverbrauch sinkt (minus ein bis zwei Prozent), sind die Verantwortlichen gefordert.
Es muss eine entsprechende Kalkulation für zukünftige Grundgebühren erarbeitet werden. Geschäftsführer Jochen Becker stellte Möglichkeiten zukünftiger Berechnungsgrundlagen vor. Die Mitglieder des Verbandsvorstandes wurden dazu aufgefordert, bis zur Erarbeitung des Haushaltsplanes 2011 am 7. Dezember in den Fraktionen der beteiligten Kommunen die Angelegenheit zu besprechen, um für die Zukunft ein beschlussfähiges Einvernehmen herstellen zu können.
Die Zahlen für eine zukünftige Gebührenkalkulation legte das Rechtsanwaltsbüro Rösch (Hüttenberg) mit seinen Berechnungen vor. Becker stellte dazu fest, dass die Berechnungen lediglich den Rahmen darstellen, in dem sich der ZLS bei zukünftigen Gebührenkalkulationen rechtssicher bewegen kann. »Es ist keine Vorgabe, die Grund- und Verbrauchsgebühren in der dargestellten Höhe zu beschließen«.
Becker hatte dazu die Kosten der Wasserversorgung grafisch und in Prozenten dargestellt. Zum einen waren es 2009 etwa 65 Rohrbrüche, und in diesem Jahr – mit Stand Oktober – sind es rund 20 Rohrbrüche, die Kosten verursachten. Zum anderen sind es die Abschreibung, die demzufolge 27,7 Prozent, die Zinsen 20,8 Prozent, die Personalkosten 23,6 Prozent, der Unterhaltung (Verteilung) 13,3 Prozent der Unterhaltung (allgemein) 9,2 Prozent, Strom 3,2 Prozent, die Gewerbesteuer 1,7 Prozent und sonstiges 0,6 Prozent betragen. Bei Strom, so Becker, stehe eine zukünftige Preiserhöhung in Höhe zwischen 32000 Euro und 60 000 Euro bevor. Diskutiert wurde über das Rechenmodell von einem Mix von 50:50 Prozent zwischen Mengengebühren und Grundgebühren.
Um Einsparungen vornehmen zu können, wurde der Verbandsvorstand aufgefordert, die Anzahl von Löschwasserhydraten in den beteiligten Kommunen feststellen zu lassen und die für den ZLS entstehenden jährlichen Kosten festzustellen, um gegebenenfalls die Kommunen an den Kosten zu beteiligen. Außerdem wurde vorgeschlagen, für die Hydranten eine extra Kostenstelle einzurichten.
Projekt »Lebensraum Kläranlage« wurde von Fank Reißig (RP) erläutert
Zum Projekt »Lebensraum Kläranlage« referierte Frank Reißig vom Regierungspräsidium Gießen. Er berichtete, dass bereits 2008 im Rahmen des Projektes »Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Aufwertung des ›Lebensraums Kläranlage‹ in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Gießen und mit zwei weiteren Kläranlagenbetreibern (Lauterbach und Schwalmtal-Hopfgarten) beispielhafte Konzepte entwickelt wurden, die zu einer nachhaltigen Aufwertung der Sekundärlebensräume führen. Das Vorhaben soll insbesondere den Natur- und Landschaftsschutz bei der Gestaltung und dem Betrieb von Abwasseranlagen stärker in das Blickfeld rücken und andere Betreiber zur Nachahmung anregen. Mit einfachen Mitteln wurden unter anderem Blumenwiesen für Insekten geschaffen, Flachwasserbiotope eingerichtet, Betonwände begrünt und Nisthilfen aufgehängt. In der Betriebszentrale am Sandweg 25 in Lollar sind Schautafeln mit den verschiedenen Aktivitäten aufgestellt worden, um auch hier die Öffentlichkeit über die Maßnahmen zu informieren.
Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt der Umweltallianz Hessen von Herrn Priv.-Doz. Dr. habil. Martin Kraft aus Marburg, der zahlreiche Erhebungen erfasst hatte. Im November 2008 wurde der entsprechende Projektabschlussbericht vorgelegt. Weiter wurde eine Arbeitshilfe »Lebensraum Kläranlage – Empfehlungen für die Praxis« erarbeitet. Mit den Umsetzungen der Maßnahmen im Bereich der Kläranlage Lollar wurde 2009 begonnen. So konnten jetzt zum Beispiel 29 Libellenarten – davon elf, die auf der Roten Liste (RL) stehen – festgestellt werden. »Die Kläranlagen sind wertvolle Lebensräume geworden, sie sind ›Rettungsinseln‹ geworden, so Reißig, und Becker fügte hinzu, dass es eine Aufwertung der Anlage sei und kostengünstig geschaffen wurde.
zurück





