Auszug aus dem Giessener Anzeiger
vom 29.11.2008
Auch Einkaufskorb gehört im Auto an den Gurt
Ladungssicherung nicht nur bei Lastwagen wichtig und oft vernachlässigt – Seminar mit Experten der Polizei beim Zweckverband Lollar-Staufenberg
LOLLAR (sl). Sicherheit in allen Lebenslagen steht bei den Bürgern ganz oben auf der Agenda, aber oft wird dieser Grundsatz sträflich vernachlässigt. Zum Beispiel wenn es um Ladungssicherung im Straßenverkehr geht. Wie sonst wäre es möglich, dass tagtäglich im Radio Warnmeldungen zu hören sind, die vor verlorener Ladung warnen. Dabei werden Kisten, Paletten, Betonteile, Farbeimer und sogar Wohnzimmersessel beim Transport verloren, und bilden dann eine immense Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer. In fast allen Fällen ist eine fehlende oder mangelhafte Sicherung der Ladung die Ursache für schwere Unfälle mit Personen- oder hohen Sachschäden. Diesem Thema hat sich der Zweckverband Lollar/Staufenberg (ZLS) im Schulungsraum der Betriebszentrale in Lollar angenommen, und als kompetenten Referenten Peter Wirth Polizeihauptkommissar a. D. eingeladen. Angesprochen waren bei dieser Veranstaltung zwar hauptsächlich Aufsichtspersonal und Sicherheitsbeauftragte sowie Mitarbeiter von Verbänden und Kommunen „ es betrifft aber in gleichem Maße auch Privatpersonen, die mit ihrem PKW diese Güter transportieren“, erklärte ZLS- Geschäftsführer Jochen Becker. Das wurde deutlich, als Wirth, der in seiner aktiven Zeit mit der Kontrolle auf den Straßen bei der Ladungssicherung betraut war, gleich am Anfang einen Film zeigte, bei dem Einkäufe im Kofferraum eines PKW ohne Sicherung verstaut wurden. Bei vielen Autos lassen sich die Rückbänke umklappen, so dass eine größere Durchladefläche im Kofferraum entsteht. „ Schon bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h und einer plötzlichen Vollbremsung, legen sich diese Rückbänke dann durch die Wucht des im Kofferraum gelagerten, nicht gesicherten Gutes selbst um, und alles was sich im Kofferraum befindet, fliegt mit ungeheuerer Wucht in den Fahrgastraum. Das würde niemand unbeschadet überleben“, erklärte er. Nach dieser eindrucksvollen Demonstration ging Wirth ging auch mit der Ausrede ins Gericht, „ man würde ja nur eine kurze Strecke fahren“. „Auch bei nur wenigen Kilometern ist eine Ladungssicherung nötig“. Unfälle und Zwischenfälle dieser Art können nur vermieden werden, wenn Fahrzeugführer und Verlader verantwortungsbewusst Ladungssicherung betreiben, denn trotz Zeit- und Kostendruck bei vielen Firmen müsse es das Ziel sein, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Da viele Fahrzeugführer auch einen Feuerlöscher in ihrem Auto mitführen sollte auch dieser gesichert werden, was natürlich auch für Benzin-Reservekanister gelte. Dann stellte er die verschiedensten Möglichkeiten vor, wie man die Ladung sichern könne. Dabei nannte er für gewerbliche Beförderungen Zurrgurte, Netze oder Transportschutzkissen. Bei einem Privatmann genüge im Kofferraum schon eine rutschfeste Einlage und ein Gurt, mit dem das zu befördernde Gut gesichert wird. Generell gelte, dass die Ladung im oder auf einem Fahrzeug einschließlich eines Anhängers immer befestigt sein müsse, so dass sie bei jeder Fahrsituation auf dem Fahrzeug an ihrem Platz verbleibt. Man könne dies besser verstehen, wenn man wisse, dass sich 100 Kilogramm Steine in zehn Tonnen Energie verwandeln, wenn bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h eine Vollbremsung eintrete. Seien die gefahrenen Geschwindigkeiten höher, so steige damit auch prozentual die freigesetzte Energie des ungesicherten Ladegutes. So würden bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h aus 100 Kilo Zuladung bei einer Vollbremsung 40000 Kilogramm Energie, die sich ihren Weg nach vorne sucht. Im Anschluss an die Theorie folgte auf dem Hof des ZLS eine praktische Unterweisung durch den Referenten.
Polizeihauptkommissar a. D. Peter Wirth referierte in den Räumen des Zweckverbandes Lollar-Staufenberg (ZLS) über Hilfsmittel zur Ladungssicherung und Standsicherheit.
Bild: Scherer
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